Keine 600.000 Euro Steuermittel für den Katholikentag in Erfurt!

Schon im Mai hat sich angedeutet, dass die Stadt Erfurt plant, um die Ausrichtung des Katholikentags 2024 zu werben und dafür über eine Million Euro ausgeben zu wollen. Wir haben uns bereits damals gegen diesen Schritt ausgesprochen [1], doch leider ist aus der Überlegung seitens der Stadt nun Realität geworden. Der Stadtrat hat beschlossen, sich dafür einzusetzen, den Katholikentag 2024 in die thüringische Landeshauptstadt zu holen [2]. Damit das gelingt, hat man dem Zentralrat der Katholiken eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 600.000 Euro (!) zugesagt. Zwar nur halb so viel wie ursprünglich geplant, doch noch immer viel zu viel! Wir finden, dass es mehr als unverantwortlich ist, einer einzigen Religionsgemeinschaft eine so riesige Summe in Aussicht zu stellen. Denn: Finanzierung von Religion ist keine staatliche oder kommunale Aufgabe. Wir vertreten den Grundsatz des Laizismus, das heißt, dass Kirche und Staat vollständig voneinander getrennt sein sollen.

Zum Vergleich: für sonstige Projektförderung der Stadt Erfurt stehen in diesem Jahr 68.000 Euro zur Verfügung. Das ist also fast neun Mal weniger als die angepeilten 600.000 Euro für ein einziges kirchliches Event. 2015 hatte das Bistum Erfurt übrigens ein Vermögen von 323,5 Millionen Euro [3], während die Stadt Erfurt gegenwärtig rund 125 Millionen Euro Schulden hat [4]. Und: aktuell zahlt der Freistaat Thüringen pro Jahr bereits über 5,7 Millionen Euro zur freien Verwendung an die katholische Kirche [5] – eine finanzielle Unterstützung durch die Stadt ist also nicht nötig!

Wir stellen uns in dieser Sache auch gegen unseren Ministerpräsidenten Bodo Ramelow und Teile der Stadtratsfraktion von DIE LINKE Erfurt. Es geht uns nicht darum, Religionsgemeinschaften zu kritisieren. Wir unterstützen gesellschaftlich-religiöse Verständigung; das Grundgesetz garantiert Religionsfreiheit und das ist auch gut so. Doch die Finanzierung darf keine staatliche Aufgabe sein – dafür muss jede Gemeinschaft selbst sorgen!
Wir können in diesem Zusammenhang die Informationsseite katholikentag2024.de der Initiative „Erfurt zahlt nicht!“ empfehlen, auf der weitere Hintergründe aufgelistet sind.

[1]: http://soliderfurt.blogsport.de/2018/05/16/kein-kirchentag-mit-oeffentlichen-geldern/
[2]: https://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Erfurt-will-Gastgeber-fuer-Katholikentag-2024-werden-646014882
[3]: https://www.tlz.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Mehr-Transparenz-Bistum-Erfurt-hat-ein-Vermoegen-von-323-5-Millionen-Euro-1634790395
[4]: https://statistik.thueringen.de/datenbank/TabAnzeige.asp?tabelle=gg001645%7C%7C
[5]: https://fowid.de/meldung/staatsleistungen-2017-node3331


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