Bundeswehrpropaganda hat auf dem Domplatz nichts zu suchen!

Auf Beschluss des Stadtrates wird der „Tag der Bundeswehr“ dieses Jahr am 9. Juni erneut auf dem Domplatz stattfinden. Diese Veranstaltung solle dazu dienen, die Akzeptanz für die Bundeswehr in der Bevölkerung zu stärken und Nachwuchskräfte zu finden. Sie sind damit Teil der breiten Kampagne, die die Bundeswehr seit einigen Jahren fährt, um insbesondere junge Menschen für den Kriegsdienst zu begeistern. Neben großräumigen Plakatkampagnen und Schulbesuchen durch Jungoffiziere entstanden im Zuge dessen u.a. die YouTube-Serien „Die Rekruten“ und „Mali“, sowie Abenteuer-Camps für Jugendliche . Diese Werbemaßnahmen zeichneten sich in der Vergangenheit in erster Linie durch sexistische Klischees und Realitätsverlust aus. So wurde meist unterschlagen, dass der Beruf als Soldat*in alles andere als Spaß und Abenteuer ist, sondern in der Realität zu PTBS, schweren körperlichen Verletzungen oder dem Tod führen kann. Wahrscheinlich gerade deshalb konnte das deutsche Militär seinen Anteil an Kindersoldaten zuletzt sogar auf 2.128 Rekrut*innen maximieren .
Ironischerweise versucht die Bundeswehr sich auf dem „Tag der Bundeswehr“ regelmäßig als familienfreundlich darzustellen. Dabei sind diese Propaganda-Veranstaltungen insbesondere dadurch aufgefallen, dass Kinder mit Sturmgewehren spielen durften und die Bundeswehr martialisch mit schwerem Kriegsgerät in Innenstädten aufgetreten ist. Dies wirkt zutiefst bedrohlich und trägt dazu bei, den Anblick von Panzern in Städten zu normalisieren. Daran ist aber nichts normal und darf es auch niemals werden. Die deutsche Armee ist schließlich nicht zum Einsatz im Inneren bestimmt, daran ändern auch Aussagen wie die von Daniel Mroß (SPD) nichts, der die Bundeswehr einen „starken Partner der Zivilgesellschaft“ nannte, was insbesondere im Angesicht der letzten Enthüllungen über Rechtsextremismus in der Armee mehr als nur absurd klingt. Auch worin der Schutzauftrag der Bundeswehr auf dem Erfurter Domplatz nach Michael Panse (CDU) genau liegen soll, ist zutiefst fraglich. Ebenso unverständlich ist für uns, warum der „Tag der Bundeswehr“ ausgerechnet auf dem Domplatz stattfinden muss und nicht bspw. auf armeeeigenem Gelände.
Wir verurteilen somit sowohl die Kampagne der Bundeswehr, die darauf ausgelegt ist, junge Menschen zu rekrutieren, die sich den Folgen dieser Entscheidung nicht vollumfänglich bewusst sind, als auch den Beschluss des Stadtrates, der Bundeswehr auf dem Domplatz eine Bühne für ihre Propaganda in bester Lage zu bieten.

https://www.welt.de/politik/deutschland/article168155238/Abenteuer-Camps-sollen-Jugendliche-zur-Bundeswehr-locken.html
http://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-01/bundeswehr-minderjaehrige-ausbildung-hoechststand
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-laesst-kinder-mit-gewehren-spielen-a-1097421.html


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