Zur aktuellen Diskussion innerhalb der Linksjugend

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Kommentar eines Gruppenmitglieds

Thematik Antiamerikanismus

Toleranz und Werbung für Nationalstaaten, wie die USA oder Großbritannien darf nicht Inhalt linker Politik sein. Man muss nicht weit herholen, um kritikwürdige Punkte an der imperialistischen und antihumanistischen Praxis dieser Staaten festzustellen. Es seien nur Stichwörter, wie imperialistische Kriege (z.B. Irak-Krieg), weltweite Netze von Foltergefängnissen( z.B. Guantanamo), geheimdienstgesteuerte Staatsstreiche ( z.B. Salvador Allende) ,die urkapitalistische Gesellschaft oder die gigantische Umweltzerstörung oder der überbordende Ressourcenverbrauch zu nennen. Die Kritikpunkte sind so mannighaltig, dass es sich verbieten muss, für diese Staaten Toleranz oder Werbung zu üben.
Natürlich lassen sich die Kritikpunkte auch auf viele andere Staaten übertragen, aber hier ist nicht das Problem gegeben, das Teile unseres Verbandes diese mit Nationalflaggen und sonstigen Symbolen nach außen verherrlichen.
Es kann und darf niemals Inhalt einer linken progressiven Politik sein, Nationalstaaten gut zu heißen oder zu verherrlichen, da diese die Ursache vieler Probleme sind.

Thematik Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit

Antisemitismus fängt nicht erst bei der Verherrlichung des Holocaustes an und natürlich gibt es zahlreiche Anhänger dieser Ideologie. Jede Ausgrenzung oder Diskriminierung aufgrund Glaube, Nationalität, Aussehen etc. darf nicht toleriert und muss bekämpft werden. Der Kampf gegen Antisemitismus hat eine besondere Bedeutung, aufgrund der deutschen Vergangenheit, dass muss außer Frage stehen.
Allerdings, wenn wir auf die Straßen schauen, dann verdient gerade eine andere Problematik unser Augenmerk, nämlich die allgemein gewachsene und weiter wachsende Fremdenfeindlichkeit, die viele Menschen auf die Straße und zu anderen, schlimmeren Taten treibt.
Grundsätzlich müssen wir uns mit jeder Art des Faschismus auseinandersetzen, sei es Antisemitismus, Rassismus etc., ihn aber dort punktuiert bekämpfen, so seine Ausprägungen gerade am größten sind. Unsere Ressourcen sind begrenzt, deshalb müssen wir sie dort einsetzen wo sie am dringendsten benötigt werden.

Problematisch ist es nur, wenn Personen, welche nicht ausschließlich gegen Antisemitismus kämpfen, bzw. 100%ige Solidarität mit Israel verkünden, als Antisemiten abgestempelt werden. Dies ist in keinster Weiße zielführend. Am wenigsten im Kampf gegen Antisemitismus.

Thematik Regressive oder auch verkürzte Kapitalismuskritik

Der Vorwurf, Konsumboykott an speziellen Vertretern des Kapitalismus zu üben, sei verkürzt und “führe zu nichts” ist schlicht und ergreifend falsch.

Eine sozialer Umsturz kann zu allererst nur mit den Menschen, also den breiten Massen geschehen, nicht ohne sie. Dafür müssen die Massen für die Sache gewonnen werden, wofür Anknüpfungspunkte geschaffen werden müssen. Bspw. existiert eine breite Ablehnung von multinationalen Konzernen wie Coca-Cola, McDonalds, Monsanto , aufgrund z.B. deren Gesundheitsschädlichkeit, deren Unternehmenspolitik (internationaler Kampf gegen Gewerkschaften, Gensaatgut, -lebensmittel …), monopolartige Stellungen etc. Die Ablehnung gegenüber international und teilweise kriminell operierenden Konzernen kommt in weiten sozialen Schichten vor. Unsere Aufgabe ist es, dieses Potential aufschnappen und bei uns ein zu binden, anstatt die Unterstützung dieser Unternehmen durch unseren Konsum zu symbolisieren. Dies als ersten Punkt.

Als zweiten Punkt: Gezielter, ausgewählter Konsum hat Einfluss und kann die Wirtschaft/Gesellschaft verändern. Als Paradebeispiel kann man dafür das wachsende Angebot von Vegan/Vegetarischen Angeboten nennen, welche wiederum auf eine wachsende Nachfrage der Menschen zurück zu führen ist. Defacto hat der gezielte Konsum etwas bewirkt.
Ein Beispiel noch dazu: Hypothetisch: Jemand verfügt über 1000€ Einkommen, welches in 1000 Flaschen CocaCola zu je 1€ investiert würde. Wenn anstelle dessen, nun aber in 1000 Flaschen regionale/nachhaltige Limo zu je 1€ investiert werden würde und das ganze 1000 Leute machen würden,entsteht bei CocaCola eine Umsatzeinbuße von 1. Mio € und bei der regionalen/nachhaltigen Limo ein Umsatzzuwachs von 1.Mio€ . Es entsteht eine finanzielle Diskrepanz, welche wiederum Folgen hat. Letztendlich ist zu sagen, das Präferenzen bedient und Moralvorstellungen unterstützt werden können.
CocaCola investiert Milliarden Dollar in Marketing bzw. Imagekampagnen um ihr gesundheits-, gesellschaftsschädigenden Handeln zu überdecken. Gerade aus Angst vor Umsatzeinbußen bzw. gezieltem und nachhaltigem Konsum. Dieses Beispiel lässt sich auf zig Branchen und Unternehmen übertragen.

Natürlich muss der Kapitalismus als Ganzes überwunden werden, weil die meißten Probleme sich nicht mit besserem oder bewussten Konsum überwinden lassen. Dennoch kann mit bewussten Konsum die Welt ein kleines Stück verändert werden.

GB