Wenn die Kursanmeldung zur Versteigerung verkommt…

8:00 Uhr – das Spiel ist eröffnet. Ich versuche mich in meinen Lieblingssportkurs einzutragen. Bestätigen. Hmm, die Seite hängt. F5. Ich trage alles erneut ein, drücke auf „Bestätigen“, es passiert immer noch nix. Ich werde langsam nervös. Sollten die anderen mit ihren Warnungen Recht behalten? Also erneut F5.
Die Seite lädt und lädt. BÄÄM. Überraschung. Ihr gewünschter Sportkurs ist leider schon voll.

Ok, wenn es schon kein Sportkurs wird, dann denke ich mir, nutze ich die Zeit mal, um meine Sprachenkenntnisse etwas aufzubessern. Kann ja nicht schaden. Mmh, Spanisch wollte ich schon immer mal machen. Also mal schauen, wann der Einschreibezeitraum beginnt. Oh ok, ich sehe selbes Prinzip; in einer Minute öffnet sich das Zeitfenster zur Anmeldung. Also dann, anmelden, bestätigen, die Seite hängt. F5, nichts passiert. Ich trage mich erneut ein, drücke noch einmal F5, es passiert, welch Wunder, wieder nichts. Ich bin nervös, in Erwartung, dass es mir ähnlich ergeht wie beim Sportkurs. Und siehe da: Erneut F5 gedrückt, Kurs VOLL!!! Ok, also auch kein Sprachkurs oder vielleicht eine Sprache, die weniger stark nachgefragt ist. Wie gut, dass ich nicht in einem Studiengang immatrikuliert bin, in dem eine zweite moderne Fremdsprache in den Curricula gefordert wird. Ach ja, da fällt mir auch ein, den Erstis erging es ja noch schlimmer, die hatten in der Einführungswoche meist noch gar nicht die Möglichkeit, sich einzuschreiben.
Deshalb sage ich ersteinmal: „Danke Uni Erfurt. Danke für wieder ein halbes Jahr warten. Danke für jedes Jahr die gleiche Sch***e.“

Was lernen wir daraus?

Erstens: Ausreichende Sportangebote der Uni für Studierende sollten ein MUSS sein. Neben anstrengenden Vorlesungen, Hausarbeiten und Prüfungsstress sollte es von Seiten der Uni wenigstens einmal die Woche die Möglichkeit auf Entspannung und Abwechslung geben. Oder auch zum Spaß haben, zum Leute kennenlernen oder alles zusammen. Nur ein Bruchteil der Studierenden kann dieses Angebot in Anspruch nehmen, was schlicht und ergreifend eine Frechheit ist. Das vorherrschende Problem der viel zu kleinen Sportkurse herrscht mittlerweile seit Jahren vor und nichts ändert sich.
Die prekäre finanzielle Lage von Studierenden macht es ihnen oft nicht oder kaum möglich, einen teuren Jahres- oder Monatsbeitrag regulärer Sportvereine zu zahlen. Der Hochschulsport ist daher eine notwendige Alternative, um den Zugang zu solchen Angeboten zu gewährleisten und den Studialltag zu verbessern.

Zweitens: Auch die Situation am Sprachenzentrum darf nicht vernachlässigt werden. Hier geht es zum einen darum, den Studierenden zu ermöglichen, ein oder mehrere Fremdsprachenniveaus zu erreichen, die laut den Prüfungsordnungen zum Teil Plichtnachweise darstellen. Es kann nicht hingenommen werden, dass Studis bestraft werden, wenn sie bspw. auf Grund der nicht ausreichend vorhandenen Plätze in den Sprachkursen ihre Regelstudienzeit überschreiten. Außerdem muss eine Hochschule, die sich Internationalisierung groß auf die Fahnen schreibt, auch die Möglichkeit zum Fremdsprachenerwerb für alle Studierenden in ausreichendem Maße anbieten. Und auch hier spielt die soziale Komponente eine Rolle. Die Möglichkeit, als Studi einen Sprachkurs an der Hochschule zu belegen, ist kein Luxus. Es ist eine günstigere Variante zu den teuren Kursen an den Volkshochschulen, vor allem aber ist es ein Beitrag zur eigenen (Weiter)Bildung. Sprachkurse sind keine Angebote, die Hochschulen anbieten können, um sich zu profilieren oder gar Gewinn zu machen, sie gehören zu ihren Kernaufgaben. Deswegen müssen die Kurse allen Studis offen stehen – und vor allem ohne finanzielle Hürden sein.

WIR FORDERN DAHER: Mehr finanzielle Unterstützung des Hochschulsports und des Sprachzentrums!