„Lichtermeer gegen Rot-Rot-Grün“ oder „Die CDU macht jetzt mit AfD und NPD ’ne Querfront auf“. Ein Erlebnisbericht

Groß angekündigt war die Demonstration gegen eine mögliche Thüringer Landesregierung aus DIE LINKE, SPD und Bündnis90/Die Grünen, initiiert von Clarsen Ratz – Mitglied der CDU in Weimar. Gut, gegen eine mögliche neue Landesregierung zu sein, das kann man machen. Etwas komisch ist es sicherlich, dass das ausgerechnet von CDU-Leuten kommt, aber naja. Wer nicht verlieren kann…
Nach kurzer Zeit aber wurde deutlich, dass da nicht nur einfach Gegner*innen vornehmlich der Linken hingehen, sondern vor allem die Rechten von AfD, NPD und Kameradschaften. Das wir dann was machen mussten war ja klar – vor allem auch weil das „Lichtermeer“ mit Unterstützung der Rechten ausgerechnet am 09. November, dem Tag der Reichspogromnacht, stattfinden musste. Also fix ein paar Transpis gemalt um darauf aufmerksam zu machen, was für Klientel sich auf dem Domplatz versammeln wird und das jeden Tag Menschen an den Mauern um die Festung Europa sterben.

CDU, AfD und Nazis Hand in Hand

Kaum sind wir am Sonntag auf dem Domplatz angekommen und haben unsere Transparente ausgepackt, kommen schon die ersten neugierigen Menschen vorbei. Nach etwa so viel Zeit, wie benötigt wird die Mauern einreiÃ�en, überall! Transparente zu lesen, waren sie aber weniger neugierig als streitlustig. Beschimpfungen, wie blöd wir doch wären und das wir nichts von Politik oder überhaupt irgendwas verstehen war noch das Harmloseste: Eine sehr empörte Wutbürgerin zerriss nicht nur ein Plakat („Wer mit Nazis demonstriert, wär 1933 mitmarschiert“) von Genoss*innen aus Jena, sondern langte noch hinterher und schlug einem von ihnen ins Gesicht.

Das Plakat - von einer Wutbürgerin zerrissen.

„Wir sind friedlich – was seid ihr?“

Wir haben uns nicht provozieren lassen, die Stimmung aber blieb feindselig. Ständig sind vor allem alte Menschen zu uns gekommen, die uns weiter beschimpft und rhetorische Fragen gestellt haben. Zumindest müssen sie rhetorisch gewesen sein, unsere Antworten wollten sie nämlich nicht hören sondern haben nur nochmal das Gleiche gefragt.
Das war im Großen und Ganzen auch das Einzige, was wir so hören konnten. Wir standen zwar ungefähr mittig zwischen den Domstufen und dem Obelisken, aber zu verstehen war von den Reden nichts. Nachdem sich einige aus der Gegendemo mutig zu den Empörten gewagt haben, konnten sie auch berichten warum: Die hatten nur Megaphone. Die Sprechchöre, die wir auch nicht verstehen konnten, waren dafür umso gruseliger: „Ramelow geh nach Hause“ oder „Bodo raus“ zeugten von der Toleranz und dem Demokratieverständnis der Anwesenden. Ein besonders gelungenes Stück Geschichtsvergessenheit zeigte dann noch die AfD-Gruppe um Wibke Muhsal: Die haben es tatsächlich hingekriegt, Fackeln anzuzünden. Am Tag der Reichspogromnacht, als überall in Deutschland der Mob mit Fackeln rumlief und Synagogen anzündete.
Und natürlich hat es auch nicht allzu lange gedauert, bis der zweite Grund unserer Anwesenheit lautstark auf sich aufmerksam machte. Die angereiste Nazireisegruppe hat angefangen lautstark rumzupöbeln, was wir natürlich gekontert haben. Immerhin haben die Rot-Rot-Grün-Gegner*innen dabei mal mitgedacht und den Pulk mit angeschrien. Trotzdem bleibt das miese Gefühl, am 9. November Sprechchöre wie „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“ hören zu müssen.

Wenn ihr euch selbst ein Bild machen wollt, könnt ihr euch dieses Video auf Youtube ansehen.