Nazi-Aufmarsch im Erfurter Norden von Behörden ermöglicht

Vergangenen Samstag marschierten ca. 60 Nazis bei einer von der NPD-Jugendorganisation ‚Junge Nationaldemokraten‘ (JN) organisierten Demonstration durch den Erfurter Norden. Die ersten Gegendemonstrant*innen versammelten sich bereits 10Uhr, um den Faschist*innen den Tag zu verderben. Bis zum Beginn des braunen Spukes um 12 Uhr kamen mehr als 80 Antifaschist*innen zusammen und konnten die angemeldete Route, welche am AJZ vorbeiführen sollte, vorerst blockieren.

Anschließend wurde der Nazi-Mob direkt zum Berliner Platz geleitet – die Route wurde somit zumindest gekürzt. Um auch diese Route zu verhindern, gab es bereits an der Mainzer Straße weitere Blockadeversuche. An der Vilnius-Passage wurde eine Zwischenkundgebung abgehalten. Auf der weiteren Strecke zum Berliner Platz kam es nun ständig zu größeren Blockaden, sodass der braune Aufmarsch nur sehr stockend voran kam. Die Nazis waren sichtlich entnervt und wurden immer agressiver.

Es wurde hierbei aber auch deutlich, dass Ordnungsamt und Polizei alles unternehmen wollten, um den Nazis doch noch einen erfolgreichen Nachmittag zu bereiten. Um die Blockaden zu isolieren und weitere zu verhindern, gingen die Polizist*innen sehr rabiat vor. Bei der ersten Blockade wurde ein Genosse ohne ersichtlichen Grund unter Einsatz eines Schlagstocks von einem Polizisten zu Boden geschlagen. Als der Betroffene die Daten des Polizisten forderte, verweigerte dieser das Zeigen des Ausweises. Auch andere Aktivist*innen wurden beim Versuch, die Blockaden zu unterstützen, von den Polizist*innen hart und unverhätnismäßig körperlich angegangen. Ebenso wurden Gegendemostrant*innen von behelmter Seite mit beleidigenden Sprüchen wie „Verpiss dich, Arschloch!“ von der Straße gedrängt. Dies zeigt mal wieder deutlich, warum auch in Thüringen eine Kennzeichnungspflicht für Polizeibeamte benötigt wird. Hierzu meint Eric Friedrich, Mitglied des Landessprecher*innenrates der Linksjugend [’solid] Thüringen:
„Offensichtlich hatten wir mit unserer Forderung nach einer Kennzeichnungspflicht zur Landtagswahl recht. Übergriffe von Polizist*innen auf Antifaschist*innen bei Protesten gegen Nazis sind eben nicht nur Einzelfälle, sondern an der Tagesordnung.“
Nebenbei ist die Tatsache bemerkenswert, dass die beiden Nazis Phillip Miene und Michael Fischer zusammen auf der Demonstration liefen. Miene hat ein Kontaktverbot zu Fischer, welches den Behörden bekannt ist. Trotzdem wurden beide zusammen von der Einsatzleitung geduldet.

Auf der Vilniuser Straße gelang es, die Nazis von ihrem Lautsprecherwagen zu trennen. Spätestens da hätten Versammlungsbehörde und Polizei den Aufmarsch beenden müssen, da durch das fehlende Kommunikationsmittel nicht mehr zu garantieren war, dass die Demonstration der Nazis ordnungsgemäß durchzuführen war. Auch wurden die wiederholten Gewaltandrohungen von Nazis gegenüber einzelnen Antifaschist*innen von den Ordnungsbehörden schlichtweg ignoriert.
Nachdem der Lautsprecherwagen mit freundlicher Unterstützung der Erfurter Polizei doch noch zum Berliner Platz fahren konnte, wurde dieser erneut blockiert – und somit von der Nazidemonstration abgeschnitten.
Nach der letzten Rede, welche in Pfiffen und Rufen unterging, wurden die Nazis zur Straßenbahnhaltestelle eskortiert.
Die Straßenbahn wurde über den Domplatz umgeleitet, um eine weitere Eskalation am AJZ zu vermeiden. Als die Nazis am Anger ausstiegen, konnten sie einfach ohne Polizeibegleitung in Form einer Spontandemonstration zum Hauptbahnhof laufen.

In den kommenden Monaten wird seitens der JN weiter versucht werden, menschenverachtende Positionen hinter sozialpolitischen Themen zu verstecken. So sollen Forderungen nach vermeintlich besseren Angeboten für Jugendliche und rassistische Anti-Drogen-Politik bei einem Fußballturnier das nationalsozialistische Weltbild verschleiern, um an Jugendliche heran zu kommen. Dies gilt es immer wieder aufzudecken, um den Nazis die Möglichkeit zu nehmen, sich hinter einem vermeintlichen „Saubermann“-Image zu verstecken.

Jedoch scheint die Erfurter Zivilgesellschaft außerhalb von Wahlkämpfen nicht viel von aktiver Politik zu halten. Unter den Gegendemonstrant*innen waren kaum Vertreter*innen der demokratischen Parteien oder bürgerlicher Bündnisse gegen Rechts zu sehen. Ohne die engagierten Antifaschist*innen an diesem Tag hätten die Nazis unbehelligt durch den Norden Erfurts marschieren können. Dass auch die Presse scheinbar kein Interesse hatte, über den Aufmarsch und die Gegenproteste zu berichten, ist ebenfalls ein Armutszeugnis.
Klar ist, dass wir als Linksjugend [’solid] Erfurt auch weiterhin gegen Nazis, Rassist*innen, und andere menschenverachtende Ideologien auf die Straße gehen werden.


1 Antwort auf „Nazi-Aufmarsch im Erfurter Norden von Behörden ermöglicht“


  1. 1 Müller 25. September 2014 um 17:27 Uhr

    Nazidemos in Erfurter Norden
    Soll der Erfurter Norden ein Eldorado der braunen Fraktion werden??

    Mit erschrecken mussten die Bürger des Erfurter Nordens wieder ansehen wie sich Neonazis mit einer Demo in diesen Stadtgebiet breit gemacht haben. Auch fand ich es nicht in Ordnung, dass alternative Gegendemonstranten, die den Weg durch eine Sitzaktion den Nazis versperren wollten von Polizisten an den Haaren gezogen wurden und geschuppst wurden und die Nazis beschützt wurden. Es ist ein Skandal, dass Nazis immer wieder den Freibrief erhalten und ihre Aufmärsche durch führen dürfen, wo Gegendemonstranten von der Polizei angegriffen werden. Man muss feststellen, dass jeden Monat diese braunen Stiefel unter Führung von vorbestraften braunen Organisatoren den Erfurter Norden missbrauchen für ihre Hetzkampanien. Auch stößt dieser Nazi- Laden welcher sich im Wohngebiet Herrenberg befindet auf großen Widerstand denn wie bekannt ist soll sich noch ein zweiter Naziladen in dieses Wohngebiet etablieren und es wurde von Stadtseite bis jetzt nichts dagegen unternommen, was sehr schwach ist..
    Der Bürger fragt sich warum werden diese Naziaktivitäten von Stadtseite, der Gerichte und von Seiten der Stadträte nicht unterbunden?? Warum werden diesen braunen Haufen immer freien Lauf die Zügel schleifen gelassen?? Warum werden immer Nazigegner angegriffen?? Es heißt immer keine Gewalt aber leider kommt von den Nazis und der Polizei die die Bürger vor Übergriffen der braunen Stiefel schützen sollen selbst Gewalt am Bürger.
    Es waren am Samstag den 20.09.2014 viele Anwohner der Straßen wo diese Nazis vorbei kamen empört. Es darf keinen Durchbruch dieser Nazis im Erfurter Norden geben. Erfurt muss Nazifrei bleiben. Da darf kein vorbestrafter Nazi Patrik Wischke noch ein Frank Schwerdt und weitere Nazis ihr nazistisches Streben ausbreiten und Fuß fassen. Keinen Meter diesen Nazis. Ich bin für ein NPD Verbot sowie Verbot aller Splitterorganisationen der Nazis. Diese Vereine sind Sammelbecken der rechtextremen Kulturen.

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